Europäischen Umweltagentur (EEA): jährlich mehr als 1.200 Kinder durch belastete Luft

Zusammenfassung und Kommentar

von Wolfram Hartmann

Belastete Luft tötet nach Angeben der Europäischen Umweltagentur (EEA) jährlich mehr als 1.200 Kinder

Problemlage

In vielen Ländern der EU liegen die Luftschadstoffbelastungen durch Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid anhaltend über den empfohlenen Grenzwerten. Kinder sind aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems und ihrer Organentwicklung von den Auswirkungen dieser Luftschadstoffbelastung besonders betroffen.

Diese hohe Luftverschmutzung mit Schadstoffen wie Feinstaub führt einer Schätzung zufolge in Europa jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von mehr als 1.200 Kindern und Jugendlichen. Neben den Werten beim Feinstaub seien auch die bei Ozon und Stickstoffdioxid nach wie vor zu hoch, so die Umweltagentur. Zudem steigern die Belastungen für Heranwachsende das Risiko für Krankheiten im weiteren Lebensverlauf erheblich, wie aus Berichten der Europäischen Umweltagentur hervorgeht.

Die besten Werte unter den deutschen Städten erzielen Kiel (Rang 19), Göttingen (22) und Lübeck (26), die schlechtesten Nürnberg (234), Berlin (238) und Gelsenkirchen (245). München liegt an 54., Hamburg an 161. Stelle.

Was tun?

Um Kinder besser zu schützen, ist es besonders wichtig, die Luftverschmutzung an der Quelle – also im Verkehr, in der Industrie und beim Heizen – zu reduzieren. Eine Verbesserung der Luftqualität lässt sich z.B. auch durch mehr Grünflächen rund um Schulen und Kindergärten erreichen.

Die EEA fordert die Staaten der EU auf, mehr für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Folgen der Luftverschmutzung zu tun. Trotz einiger Verbesserungen in den vergangenen Jahren liege die Belastung mit verschiedenen Schadstoffen in vielen Ländern weiter hartnäckig über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerten, besonders in Mittelosteuropa und Italien. Hauptgrund der dortigen Feinstaubbelastung sei die Verbrennung fester Brennstoffe wie Kohle beim Heizen und in der Industrie.

Lichtblicke?

Mancherorts weit im Süden und im Norden des Kontinents gibt es auch Lichtblicke: Die Städte mit der saubersten Luft in Europa sind gemessen an der Feinstaubbelastung Faro in Portugal sowie Umeå und Uppsala in Schweden, wie aus den jüngsten Vergleichswerten von 375 europäischen Städten hervorgeht. Es folgen Funchal (Portugal), Tallinn (Estland), Tampere (Finnland) und Reykjavik (Island).

Generell stufen die Umweltexperten Deutschland je nach Schadstoff unterschiedlich ein: Beim Feinstaub liegt die Bundesrepublik im vorderen Mittelfeld der analysierten Staaten, beim vor allem aus dem Straßenverkehr stammenden Stickstoffdioxid schneidet sie dagegen aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens mit am schlechtesten ab.

Das Deutsche Kinderbulletin
fordert gemäß Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention, dass alle Maßnahmen ergriffen werden, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der Luftverschmutzung und ihren oft schwerwiegenden Folgen zu schützen. Rauchen in Gegenwart von Kindern und Jugendlichen sollte grundsätzlich tabu, Wohnungen müssen weitestgehend schadstoffrei sein. Gerade die Wohnverhältnisse prekärer Familien sind unter dem Aspekt der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen problematisch. Aber auch viele Schulen sind dringend renovierungsbedürftig.

 

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